Zeit zwischen den Jahren
Zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag verändert sich etwas.
Die Tage fühlen sich weiter an. Termine verlieren an Bedeutung. Der Alltag tritt einen Schritt zurück. Es entsteht ein Raum, der im restlichen Jahr oft keinen Platz findet.
Ich freue mich jedes Jahr auf diese Zeit. Sie lädt mich ein, langsamer zu werden. Gedanken dürfen sich setzen. Eindrücke bekommen Zeit.
Für mich beginnen die Rauhnächte am 25. Dezember.
An diesem Tag nehme ich mir bewusst Zeit für mich. Ich ziehe eine Karte, schreibe ein paar Gedanken auf und frage mich, welches Thema mich gerade begleitet. Ich nehme wahr, was da ist.
Im Laufe der Jahre ist daraus ein persönlicher Weg entstanden.
Jetzt, wo ein Jahr zu Ende geht, tauchen oft auch die guten Vorsätze auf. Pläne für das neue Jahr. Gedanken darüber, was anders werden soll.
Die Rauhnächte fühlen sich für mich anders an. Ich muss in diesen Tagen nichts entscheiden. Sie geben mir Zeit, wahrzunehmen, was gerade da ist. Manche Antworten zeigen sich sofort. Andere brauchen Wochen oder Monate.
Jeder Tag steht für einen Monat des kommenden Jahres. Diese Zuordnung verstehe ich nicht als Vorhersage. Sie hilft mir, den Blick auf einen Abschnitt des Jahres zu richten und ihm Aufmerksamkeit zu schenken.
Manchmal entsteht daraus ein Satz. Manchmal ein Bild.
Manchmal bleibt ein Gefühl zurück.
Mehr braucht es nicht.
Die zwölf Karten unter diesem Beitrag sind während meiner ersten Rauhnachtszeit entstanden. Jede von ihnen gehört zu einem dieser Tage und erzählt ein Stück meines eigenen Weges. Sie sind keine Vorlage und keine feste Zuordnung. Sie zeigen, was sich damals bei mir gezeigt hat.
Am 6. Jänner halte ich noch einmal inne.
Dieser Tag gehört für mich keinem einzelnen Monat. Er steht für das ganze Jahr. Oft zeigt sich ein Wort oder ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch die kommenden Monate zieht. Manchmal erkenne ich seine Bedeutung sofort. Manchmal erschließt sie sich erst viel später.
Im Laufe des Jahres kehre ich immer wieder zu meinen Notizen zurück. Wenn ein neuer Monat beginnt, lese ich nach, was ich in den Rauhnächten dazu festgehalten habe.
Was ist daraus geworden?
Was begleitet mich noch?
Was hat sich verändert?
Diese kleinen Rückblicke schenken mir oft überraschende Erkenntnisse.
Entwicklung braucht Zeit. Nicht alles lässt sich planen oder benennen. Manches wächst bereits, lange bevor wir erkennen, wohin es führt.
Wie alles begann
Der 25. Dezember 2021 ist mir besonders in Erinnerung geblieben.
Damals zog ich nach langer Zeit wieder bewusst eine Rauhnachtskarte. In der Beschreibung stand:
„Begegne den Geheimnissen des Lebens. Öffne dich der Stille.“
Ich musste schmunzeln.
Mein Kopf war damals alles andere als ruhig. Gedanken drehten ihre Runden und ich fragte mich, was mir helfen könnte, ihnen für eine Weile zuzusehen, statt ihnen hinterherzulaufen.
Die Antwort kam ganz unspektakulär.
Ich holte meine Wasserfarben hervor, schnitt Aquarellpapier in Postkartengröße und begann zu malen.
Zu jeder gezogenen Karte suchte ich das Wort heraus, das mich an diesem Tag am stärksten berührte. Daraus entstand ein Bild.
Tag für Tag kam eine weitere Karte dazu.
Ohne Plan.
Ohne die Absicht, ein Kartenset zu gestalten.
Ich malte einfach weiter.
Erst viel später wurde mir bewusst, dass daraus etwas Größeres entstanden war. Aus den ersten zwölf Bildern entwickelten sich weitere Karten. Nach und nach wuchs daraus der Lebenskompass, der heute viele Menschen auf ihrem eigenen Weg begleitet.
Wenn ich die Karten heute anschaue, sehe ich nicht nur Farben und Begriffe.
Ich sehe den Anfang einer Reise.
Ein Raum, der bleiben darf
Die Rauhnächte sind für mich weit mehr als die Tage zwischen den Jahren.
Sie erinnern mich daran, dass Entwicklung Zeit braucht.
Orientierung entsteht oft in den Momenten, in denen wir aufhören, nach schnellen Antworten zu suchen.
Dieser Raum muss nicht auf den Jahreswechsel beschränkt bleiben.
Er kann immer dann entstehen, wenn wir innehalten und wahrnehmen, was gerade in uns in Bewegung ist.
Entwicklung braucht ihre eigene Zeit. Manche Antworten zeigen sich erst unterwegs. Und manches beginnt zu wachsen, lange bevor wir ihm einen Namen geben.
Wenn dich die Rauhnächte begleiten dürfen, findest du hier den Lebenskompass mit den Karten, Audio-Impulsen und Reflexionsübungen.
Wegzeichen - Post von mir
Wenn dir dieser Artikel etwas gefallen hat, freue ich mich, wenn wir in Verbindung bleiben.
Weiterlesen
Wesentlich & Echt
Im eigenen Rhythmus
Erwachsen sein verlernen