Schreiben begleitet mich schon mein ganzes Leben.
Erst später habe ich verstanden, warum.
Seit Wochen begleitet mich der Gedanke, über Journaling zu schreiben. Immer wieder habe ich den Beitrag verschoben.
Während ich an meiner Blogserie „Meistere deine Pause“ arbeite, begegnet mir dieses Thema ständig. Denn eine Pause beginnt nicht immer draußen in der Natur. Sie kann auch an einem leeren Blatt Papier beginnen.
Bücher begleitet mich schon fast mein ganzes Leben. Ich mag Worte, die etwas in Bewegung bringen. Manche bleiben lange in Erinnerung, andere öffnen eine neue Sicht auf das Leben.
Zu den Büchern, die mich schon lange begleiten, gehört Der Weg des Künstlers von Julia Cameron. Besonders berührt hat mich ihr Buch Von der Kunst des Schreibens. Darin beschreibt sie Schreiben als einen Prozess des Zuhörens. Diesen Gedanken mag ich bis heute.
Wenn wir schreiben, hören wir uns selbst zu.
Wir nehmen wahr, was im Körper geschieht, welche Gedanken auftauchen und welche Gefühle sich zeigen. Oft wird etwas erst in dem Moment klar, in dem es auf dem Papier steht.
Es braucht dafür kein besonderes Notizbuch. Ein Blatt Papier reicht völlig aus. Ein Kalender, ein Zeichenblock oder ein kleines Heft können genauso gut zu Begleitern werden. Entscheidend ist nicht das Material.
Entscheidend ist, dass Gedanken einen Ort bekommen. Im Laufe meines Lebens sind ganz unterschiedliche Formen des Journalings zu mir gekommen.
Viele verbinden Journaling mit einem Tagebuch. Für mich ist es viel offener. Es kann Schreiben sein, Zeichnen, Malen oder das Festhalten eines einzelnen Gedankens. Alles, was hilft, dem eigenen Erleben einen Platz zu geben.
Eigentlich begann alles mit einem Poesiealbum. Damals waren die Seiten noch leer. Freunde, Lehrer und Verwandte schrieben ihre Gedanken hinein. Ich war jedes Mal gespannt, wenn ich das Büchlein zurückbekam. Was würde diesmal darin stehen?
Auf den letzten Seiten fing ich irgendwann selbst an zu malen.
Später wurden daraus ganz gewöhnliche karierte Schulhefte.
Dort schrieb ich auf, was mich bewegte. Kinokarten fanden ihren Platz zwischen den Seiten, Erinnerungen an Ausflüge und Reisen ebenso. Schreiben wurde zu einem festen Bestandteil meines Lebens.
Beim Klassentreffen nach vielen Jahren sagte eine ehemalige Mitschülerin zu mir: „Du hast doch immer geschrieben.“
Ich musste lächeln.
Sie hatte recht.
Mir selbst war das gar nicht mehr bewusst gewesen.
Mit den Jahren veränderten sich auch meine Werkzeuge. Es gab Tischkalender, Ringbuchsysteme und später den Erfolgskalender vom LET-Verlag.
Ich kaufte wunderschöne Notizbücher, die oft viel zu lange unbenutzt im Regal standen. Sie waren mir fast zu schade zum Beschreiben.
Erst mit den gepunkteten Notizbüchern von Leuchtturm fand ich das, was bis heute zu mir passt.
Vor einigen Jahren entdeckte ich das Bullet Journal. Anfangs war ich fasziniert von den kunstvoll gestalteten Seiten, die überall zu sehenwaren. Ich probierte vieles aus und merkte bald, dass ich keine Stunden damit verbringen wollte, einen Kalender zu gestalten.
Dann begegnete mir Ryder Carroll und seine Bullet-Journal-Methode.
Sein Ansatz sprach mich sofort an. Klar. Praktisch. Flexibel. Genau die Mischung, die ich gesucht hatte.
Seit November 2018 begleitet mich mein Bullet Journal fast täglich. Jeden Monat zeichne ich meinen Kalender neu. Ich wähle Farben aus, gestalte meine Seiten und überlege, was in den kommenden Wochen wichtig werden darf.
Für manche mag das nach zusätzlicher Arbeit aussehen.
Für mich beginnt der neue Monat genau in diesem Moment.
Ich nehme mir Zeit.
Ich komme an.
Neben dem Schreiben begleitet mich noch eine zweite Form des Journalings.
Das Art Journal.
Es gibt Augenblicke, in denen Worte nicht ausreichen. Dann erzählen Farben weiter. Wasserfarben, Acrylstifte oder ein kleiner Goldstrich drücken etwas aus, das sich kaum in Sätze fassen lässt.
Ich arbeite gern mit einfachen Materialien. Alte Buchseiten, Verpackungen oder Zeitungsausschnitte gehören genauso dazu wie Aquarellpapier.
Aus dieser Mischung entsteht oft etwas, das ich vorher nicht geplant hatte.
Heute denke ich bei Journaling längst nicht mehr an Tagebuchschreiben.
Für mich ist es eine Einladung, Gedanken sichtbar zu machen.
Schreiben bringt Ordnung in das, was im Kopf durcheinandergeraten ist. Es macht Entwicklungen sichtbar, die im Alltag leicht übersehen werden. Dabei entdecke ich Stärken, die schon lange da sind. An anderer Stelle erkenne ich Gewohnheiten, die nicht mehr zu meinem Leben passen.
Wenn ich heute durch meine alten Journale blättere, lese ich nicht nur Termine oder Notizen.
Ich sehe Wege.
Ich entdecke Fragen, die mich damals beschäftigt haben,
Entscheidungen, die längst getroffen sind, und Ideen, aus denen später etwas Größeres geworden ist.
Auch viele meiner Aquarelle und schließlich der Lebenskompass haben ihren Ursprung in diesen Momenten des Schreibens und Gestaltens. Sie sind nicht am Schreibtisch geplant worden. Sie sind gewachsen – Seite für Seite, Bild für Bild.
Genau darin liegt für mich der eigentliche Wert eines Journals.
Es hält nicht nur Erinnerungen fest.
Es zeigt, wie wir uns verändern.
In der Blogserie Meistere deine Pause geht es um die unterschiedlichen Wege, wie wir im Alltag kleine Atemräume schaffen können. Für mich gehört Schreiben seit vielen Jahren dazu. Vielleicht findest du deinen eigenen Weg – mit einem Journal, einem Blatt Papier oder einfach mit einem Stift in der Hand.
Wegzeichen - Post von mir
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