zurück zu dir – Schritt für Schritt
Sie kam an einem Dienstagvormittag.
Pünktlich, ordentlich, mit einem Lächeln, das ein bisschen zu fest saß. Wir gingen los, wie immer, ein Schritt nach dem anderen. Nach einer Weile wurde das Lächeln weicher. Die Schultern auch.
Irgendwann sagte sie: „Ich weiß gar nicht mehr, wann ich zuletzt einfach nur da war."
Ich kannte diesen Satz. Ich hatte ihn selbst schon gedacht.
Was braucht ein Mensch, um nicht zu kippen?
In der Regel keine neue Methode. Meistens braucht es etwas viel Einfacheres: sich selbst wieder spüren. Merken, wann es zu viel wird. Wissen, was einen zurückbringt.
Das nennt sich Resilienz. Kein festes Merkmal, das man entweder hat oder eben nicht. Eher etwas, das wächst, wenn man sich darum kümmert.
Das Bild, das mir dazu am besten gefällt: ein Gummiband. Du ziehst daran, es dehnt sich. Lässt du los, kommt es zurück. Ziehst du zu weit, reißt es.
Resilienz ist genau das. Die Fähigkeit, zurückzukommen — nach Belastung, nach Krise, nach einer langen Phase des Zu-viel.
Was stärkt sie?
Wie du mit dir selbst sprichst, wenn etwas nicht klappt. Ob du Pausen machst, bevor du zusammenbrichst. Ob du Menschen um dich hast, die dich unterstützen, und ob du ihnen das auch erlaubst.
Ob du weißt, was dir gut tut. Und ob du es dir gönnst.
Resilienz wächst, wenn wir uns selbst ernst nehmen. Wenn wir aufhören, immer die Zehn anstreben zu müssen, und anfangen, die Vier zur Fünf zu machen. Das klingt klein. Ist es aber nicht.
Wer sich von innen stärkt, bleibt beweglich. Nicht unverwundbar, aber fähig, zurückzufinden.
Die Natur hilft dabei. Ein Spaziergang, der den Kopf leert. Ein See, der den Atem verlangsamt. Eine Runde auf dem Berg, nach der man wieder weiß, wer man ist.
Das ist kein Zufall. Das ist ein altes Wissen, das wir gerade wieder ernst nehmen.
Die Frau vom Dienstagvormittag kam noch ein paar Mal. Das Lächeln wurde echter, und irgendwann, nach mehreren Wochen, fragte sie nicht mehr, wann sie zuletzt einfach da gewesen war. Sie wusste es wieder.
Das ist Resilienz. Kein großes Ziel, kein Programm. Eine Rückkehr. Gehend, atmend, Schritt für Schritt.
Wo könntest du heute einen ersten kleinen Schritt machen? Nicht zurück zu einer früheren Version von dir. Einfach ein Stück näher dran.
Wegzeichen - Post von mir
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