Wenn der Körper weiß, was der Kopf noch sucht
Kennst du das? Du möchtest dich entspannen – aber erst muss noch das erledigt werden. Und dann das. Und dann fällt dir noch etwas ein, das nicht stimmt.
Der Moment der Ruhe verschiebt sich. Immer weiter.
Was dahinter steckt, ist oft kein Zeitproblem. Es ist ein Bedürfnis, das noch nicht gehört wurde.
Wir alle haben Bedürfnisse. Nicht nur die offensichtlichen – schlafen, essen, trinken. Die stillen, seelischen auch. Die melden sich nicht laut. Aber wenn sie zu lange warten, zwickt es.
Der Psychologe Eric Berne unterschied drei davon.
Erstens: Anregung und Erlebnis. Wir wollen etwas erleben, das uns wach macht. Die Sinne wollen berührt werden – durch Farbe, Geruch, Bewegung, Klang. Zu viel davon macht müde. Zu wenig macht unruhig. Jeder findet seinen eigenen Punkt dazwischen – und der verschiebt sich je nach Tag und Jahreszeit.
Zuwendung und Anerkennung ist das zweite Bedürfnis. Eine Umarmung. Ein ehrliches Wort. Das Gefühl, dass jemand wirklich zugehört hat. Wenn das von außen ausbleibt, wird es umso wichtiger, es sich selbst zu geben. Wie oft reden wir mit uns so, wie wir nie mit jemand anderen sprechen würden?
Und dann: Struktur und Rhythmus. Wir wollen Zeit sinnvoll erleben. Rituale geben Halt. Gewohnheiten schaffen Boden. Nicht weil wir kontrollieren wollen – weil ein guter Rhythmus uns befreit.
Diese drei Bedürfnisse erklären vieles. Warum manche Tage sich rund anfühlen. Warum andere nicht – obwohl äußerlich alles stimmt.
Was passiert, wenn sie zu lange warten?
Am Anfang sind es kleine Signale. Ein leichtes Unrund-Sein. Die Dinge gehen schwerer von der Hand. Die Freude fehlt, ohne dass man genau sagen könnte warum.
Wenn wir nicht hinschauen, werden die Signale lauter. Wir werden ungeduldig, ziehen uns zurück, funktionieren weiter. Und merken irgendwann, dass wir schon lange nicht mehr wirklich gelebt haben.
Für solche Momente habe ich eine Übung, die ich die kürzeste Meditation der Welt nenne: STOPP.
Innehalten. Durchatmen. Fragen: Was brauche ich gerade wirklich?
Nicht was noch erledigt werden muss. Was ich brauche.
Ein paar Fragen, die helfen können:
Was gibt mir gerade Energie – und was nimmt sie mir?
Wann habe ich zuletzt etwas getan, nur weil es mir Freude gemacht hat?
Welches Bedürfnis habe ich heute schon erfüllt – und welches wartet noch?
Meistens wissen wir die Antwort schon. Wir haben nur lange nicht gefragt.
“Nichts in der Welt wirkt so ansteckend wie Lachen und gute Laune.”
- Charles Dickens -
Wegzeichen - Post von mir
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